Samstag, 15. Oktober 2011

Vorurteile

Mittlerweile habe ich schon 3 Monate in den USA verbracht (eines letztes Jahr und zwei heuer) und dabei viele Amerikaner kennengelert. Deswegen ist es mal an der Zeit, mit einigen gängigen Vorurteilen über Amis aufzuräumen.

Amerikaner sind fett
und essen nur Fast Food
Der Teil mit dem Fast Food stimmt auf jeden Fall. Es ist durchaus üblich, täglich Burger und Pizza zu essen - nur sehr wenige versuchen sich gesund zu ernähren. Man findet Fast Food Restaurants an jeder Ecke, und alle sind rund um die Uhr gut besucht. Trotzdem gibt es nicht so viele dicke Menschen hier, wie man vielleicht meinen könnte. Vor allem bei jungen Leuten gibt es einen extremen Fitnesstrend - fast jeder geht ins Fitnessstudio oder betreibt irgendeine Sportart professionell. Im Gegensatz zu Europa gibt es kaum "Normalos", man ist entweder sehr sportlich und durchtrainiert, oder richtig dick. :-)

Amerikaner sind Auto- und Waffennarren
Auf jeden Fall wahr. Obwohl New Mexico einer der ärmeren Staaten ist, hat jeder 16-17 jährige seinen eigenen Truck. Jede noch so kleine Distanz wird mit dem Auto zurückgelegt, man kann fast sagen die Amerikaner besuchen ihre Nachbarn mit dem Auto :-)
Kurioserweise ist Alkoholkauf und -konsum für unter 21-jährige streng verboten, und an vielen Orten überhaupt nicht erlaubt (z.B. am Campus), während man Waffen sogar im Einkaufszentrum kaufen kann. Sehr viele besitzen eine Waffe, manche Jugendliche bekommen sie sogar von ihren Eltern zum Geburtstag geschenkt...

Amerikaner wissen nichts über andere Länder
Österreich, das ist doch Teil vom vereinigten Königreich, oder? Paris, das ist sicher ein sehr schönes Land, oder? Gibt es in Österreich eigentlich einen Sommer? Auf solche Fragen muss man sich als Austauschstudent hier gefasst machen. Der Durchschnittsamerikaner hat absolut keine Ahnung, was außerhalb der USA passiert. Das liegt sicher auch an der Größe und Vielfalt des eigenen Landes, trotzdem ziemlich peinlich...

Amerikaner sind falsch und oberflächlich
Wenn man hier Leute kennenlernt, sind diese extrem freundlich, und man wird schon nach ein paar Minuten wie der neue beste Freund behandelt. Grundsätzlich gilt aber: Aus den Augen, aus dem Sinn. Wenn man sich nicht regelmäßig trifft, hört man nie wieder etwas von dieser Person. Ich denke auf jeden Fall dass es hier einfacher ist, Leute kennenzulernen und Freunde zu finden, allerdings sind diese Freundschaften meist ziemlich oberflächlich.

Amerikaner sind Umweltverschmutzer
Mülltrennung gibt es hier so gut wie gar nicht. Ich habe ein richtig schlechtes Gewissen, wenn ich Papier, Plastik und Glas in denselben Container werfen muss, weil es nur diesen einen gibt. Außerdem trägt das viele Autofahren auch stark zur Luftverschmutzung bei.

Amerikaner sind extrem patriotisch
Das kann ich auf jeden Fall bestätigen - überall hängen Fahnen, bei jeder öffentlichen Veranstaltung wird die Hymne gespielt, und jeder ist extrem stolz auf sein Land.

Amerikaner hören nur Hip Hop
Könnte man fast so sagen. Musikgeschmäcker sind auf jeden Fall bei weitem nicht so unterschiedlich wie in Österreich, bei jeder Party hört man die gleichen 20 Lieder, meistens von den vielen amerikanischen Rappern und Hip-Hop Stars. Dasselbe gilt für den Kleidungsstil, fast jeder trägt die gleichen Marken und denselben Stil.

Amerikaner feiern wilde Houseparties, die dann von der Polizei aufgelöst werden
Die Parties sind zwar meistens nicht so wild wie in den amerikanischen Teenie-Filmen gezeigt, das mit der Polizei stimmt aber auf jeden Fall. Ich war noch bei kaum einer Party, die normal in den Morgenstunden zu Ende gegangen ist. So gut wie jedes Mal taucht die Polizei auf, alle unter 21 jährigen verstecken sich hektisch irgendwo und die Party wird aufgelöst.

Dienstag, 4. Oktober 2011

Albuquerque

Nach fast zwei Monaten war es endlich einmal an der Zeit, einen Ausflug nach Albuquerque, der größten Stadt New Mexicos, zu unternehmen. Zurzeit findet dort die neuntägige "Hot Air Balloon Fiesta" statt, das größte Heißluftballon-Event der Welt - ein idealer Zeitpunkt also für einen kurzen Trip dorthin. Nach der ca. dreistündigen Autofahrt schauten wir uns zunächst die Altstadt an, die sehr typisch für New Mexico ist, mit sehr starken mexikanischen Einflüssen. Am Abend gings dann mexikanisch Essen und in's Irish Pub - allerdings nicht allzu lange, denn am nächsten Tag mussten wir früh raus, um den früh-morgendlichen Massenstart der Ballon-Fiesta (geschätzte 300 Ballons) nicht zu verpassen...was aber dann doch passierte :-)

Das Problem war der starke Verkehr, in dem wir ca. 2 Stunden feststeckten - immerhin konnten wir aber alles vom Auto aus sehen. Danach gings dann mit der (angeblich) längsten Seilbahn der Welt auf einen Berg...im Gegensatz zu Österreich wirds hier immer grüner, je weiter man auf den Berg rauffährt...ganz oben war's schon fast wie daheim :-)
Am selben Tag fand auch das Football-Spiel der "University of New Mexico" gegen die NMSU statt, wir schauten aber nur kurz bei der Tailgate-Party vorbei.

Das Highlight des Trips war eindeutig die Abend-Show der Ballon-Fiesta. Dutzende Heißlufballons, die für ein sehr stimmungsvolles Bild sorgten. Apropos Bild, habe auf Facebook einige Fotos hochgeladen, hier im Blog kann ich leider nur ein paar einfügen, sonst wirds zu unübersichtlich...






































Was tut sich sonst so? Diese Woche bin ich ziemlich mit Uni eingedeckt (3 Prüfungen), aber ab nächster Woche habe ich wieder mehr Freizeit. Das Highlight der letzten Woche war eine Fahrt mit einer Limousine (gehört einem amerikanischen Bekannten von uns) zu einem Konzert (Skrillex) nach El Paso, Texas...außerdem waren wir bei der "Big Enchilada Fiesta", einem mexikanischem Fest in Las Cruces, bei dem die größte Enchilada der Welt (ein typisch mexikanisches Gericht) zubereitet wurde. Die wurde dann in kleinen Portionen unter allen Besuchern verteilt. Während neben mir kleine Kinder das Ganze wie Süßigkeiten gegessen haben und bei ihren Müttern um Nachschub bettelten, hatte ich gewaltig mit der Schärfe zu kämpfen - die zwei Minuten in der Schlange beim Getränkestand waren wohl die längsten meines Lebens :-)